Letzter Gottesdienst in der Ladenkirche
Kirchengemeinde Kösching feiert Abschied

 

Feierlicher Gottesdienst

Mit einem feierlichen und doch sehr lebendigen Gottesdienst hat die Evangelische Kirchengemeinde St. Paulus Abschied von der Ladenkirche in Kösching genommen. Nicht nur evangelische Christinnen und Christen aus Kösching waren am 5. November in der bis auf den letzten Platz besetzten Ladenkirche, auch 2. Bürgermeister Leo Pannwitz und Mitglieder des Marktgemeinderates, Mitglieder des katholischen Pfarrgemeinderates Kösching, ehemalige Kirchenvorsteher und Mitarbeitende ließen dieses Fest zu einem letzten Höhepunkt werden.

Persönliche Erinnerungen an die Ladenkirche standen im Mittelpunkt des Gottesdienstes – auch für die Kinder, die im Kindergottesdienst ihren ganz eigenen Rückblick hielten. Ingrid und Walter Luhm blickten auf die Anfänge des Gospelchors und des Frauentreffs zurück, die auch schon fast so lange bestehen. Uwe Stelzer erinnerte an die nicht unumstrittene Entscheidung für die Ladenkirche im damaligen Kirchenvorstand und die Rolle von Gernot Moos, der mit seinem entschiedenen Eintreten für das Anmieten der Räumlichkeiten die Mehrheit des Kirchenvorstands überzeugen konnte. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragte er damals aus heutiger Sicht zu Recht, denn ohne Ladenkirche hätte sich weder das lebendige Gemeindeleben in Kösching entwickeln können, noch gäbe es heute die frohe Aussicht auf einen baldigen Umzug in eine eigene Kirche.

Neben ganz persönlichen Erinnerungen aller Sprecherinnen und Sprecher erzählte Tanja Stephan sehr eindrücklich von ihren Erlebnissen als Kind bei Musicalaufführungen in der Ladenkirche, als Jugendliche in der Jugendgruppe „Jungpiraten“ und später selbst als Leiterin einer Kindergruppe. „Ich habe hier gelernt zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen“, meinte Stephan.

Rückblick und Ausblick

Die Erinnerungen an 17 Jahre Ladenkirche mündeten in das Kyrie, mit dem sie Gott anvertraut wurden. „Das erleichtert das Loslassen“, erklärte Pfarrer Dr. Habermann. Sein Kollege, Pfarrer Christoph Schürmann, als „Ortspfarrer“ seit April 2011 zuständig für die Ladenkirche, brachte seine eigenen Erinnerungen in der Predigt zum Ausdruck, nahm aber auch manch vorherige Äußerung auf. „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen, sagte Jesus einmal“, zitierte er die Bibel. Wenn dann jemand in einer Zeit, in der viele sich in einer Kirche unwohl fühlen würden, einen Kirchenraum als „Wohnzimmer“ bezeichnen würde, ginge es doch gar nicht besser, so Schürmann. Auch er blickte zurück auf die Anfänge unter Pfarrer Dr. Markus Ambrosy, dem Initiator der Ladenkirche. Doch anders als damals gehofft, brauchte es eben noch über 17 Jahre, bis im nächsten Jahr in die neue Dietrich-Bonhoeffer-Kirche umgezogen werden kann.

Doch Schürmann sieht das auch positiv. Das Gottesvolk sei immer unterwegs und hätte in dieser Welt keinen bleibenden Ort. Dafür stünde das Volk Israel, das 40 Jahre in der Wüste unterwegs war, aber auch Jesus, der mit seinen Jüngern durch Galiläa gewandert ist, führte Schürmann aus. Für ihre Gottesdienste seien sie immer auf Provisorien angewiesen gewesen, die sich an den Gegebenheiten der Wirklichkeit orientierten. Das sei auch heute so, wenn nun die Kapelle der Klinik Kösching – wieder – zur gottesdienstlichen Heimat werde. Das war schon in vielen Jahren vor der Ladenkirche der Fall. Außerdem ließe sich Gott nicht in Mauern sperren, aber „er ist immer da, wenn sich Menschen in seinem Namen versammeln.“ Was die evangelische Gemeinde in Kösching, Lenting und Hepberg bislang ausgemacht habe, Lebendigkeit und Gemeinschaft, sei eben nicht von Räumen abhängig, sondern von den Menschen, die sich in ihnen versammelten. „Deshalb mach ich mir deswegen keine Sorgen!“, so Schürmann.

Dietrich-Bonhoeffer-Kirche

Schürmann erinnerte auch an Dietrich Bonhoeffer, für den Kirche immer nur „Kirche für andere“ sein kann. Deshalb ist es eine Aufgabe der Kirchengemeinde, dass der Umzug in die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche ein „Umzug aus der Ladenkirche mitten im Ort, neben Metzgerei und Pizzeria, in eine Kirche mitten unter den Menschen werde – innerhalb und außerhalb von Kirchengemeinde und Kirchenmauern.“ Dieser Herausforderung werde sich die Kirchengemeinde stellen – in der Krankenhauskapelle und später in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche.

Nach dem Heiligen Abendmahl begleitete die Gemeinde die liturgischen Gegenstände mit Gebet und Segen aus der Kirche. Angeführt von der Taufkerze trugen Gemeindeglieder Kreuz und Kerzen, Lesepult und Taufstein, Abendmahlskelche und Bibel nach draußen. Manches davon wird in der Krankenhauskapelle und auch in der neuen Kirche wieder zum Einsatz kommen. Den Schlusspunkt im Gottesdienst setzte das Gitarrenquartett, das schon zuvor gemeinsam mit dem Organisten Holger Stiller den Gottesdienst musikalisch begleitet hatte.

Stärkung und Ende

Im Anschluss konnten bei Kaffee, Leberkäs und kalten Getränken weiter persönliche Erinnerungen ausgetauscht werden, bevor jede und jeder einen Stuhl zum Anhänger trug, der die letzten Dinge aus der Ladenkirche ins zwischenzeitliche Lager nach Lenting brachte. Das Team um Adi Pütz, Norbert Mebus, Ute und Jürgen Frank, Frauke und Christoph Heins, Uwe, Delia und Philipp Stelzer, Helmut und Silke (Feig-)Rauscher, Sabine Wagner, Ruth Goller, Pfarrer Schürmann und einigen Konfirmandinnen und Konfirmanden haben noch bis zum späten Nachmittag, die Ladenkirche völlig leergeräumt. Diese Ära ist nun beendet, die Evangelischen in Hepberg, Kösching und Lenting brechen auf zu neuen Ufern.

Einen kurzen aber sehr stimmungsvollen Beitrag von INTV finden Sie hier.