Argula von Grumbach Denkmal Lenting

 

Mit einer großen Feier wurde bei strahlendem Wetter das Argula-von-Grumbach-Denkmal enthüllt. Nach einem ökumenischen Gottesdienst versammelten sich die offiziellen Vertreter, zahlreiche Ehrengäste und viele Bewohner von Lenting und Interessenten aus der ganzen Region, um diesen historischen Augenblick mit zu erleben. Stefan Weyergraf gen. Streit und Dorothea Burghardt in der Tracht des 16. Jahrhunderts enthüllten das Denkmal, die Flötengruppe und der Chor der Grundschule Lenting unter der Leitung von Frau Sabine Mathes umrahmten den feierlichen Augenblick.

Zu Beginn versammelten sich zahlreiche Gäste in der St. Nikolauskirche zu einem ökumenischen Gottesdienst mit den Pfarrern Josef Heigl von der katholischen und Christoph Schürmann von der evangelischen Kirchengemeinde. Dieser stellte in seiner bemerkenswerten Predigt als Leitmotiv den Satz von Jesus in der Bergpredigt in den Mittelpunkt „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.“ Damit fordere Christus die Gläubigen auf, Finsteres aufzudecken, nicht weg zu schauen – ob es dem Leben dient oder nicht. „Argula von Grumbach hat genau das in ihrer Zeit getan – nicht wegschauen und aufdecken. Deshalb leuchtet ihr Leben auch noch fast 500 Jahre nach ihrem Tod“, so Pfarrer Schürmann. Wegen ihres Glaubens konnte Argula in der Affäre um den jungen Arsatius Seehofer nicht schweigen; sie greift zur Feder und formuliert ein mutiges Protestschreiben an die Universität Ingolstadt. Argula geht mit wachen Augen durch die Welt und prüft, was sie sieht, hält es neben Gottes Wort, ob beides zusammen passt – oder eben nicht. In ihren Flugschriften, die in 30.000 Exemplaren im Umlauf waren, sei es ihr – wie auch Luther – nicht darum gegangen, einen neuen Glauben zu vertreten, sondern sie wollte daran erinnern, was uns als Christinnen und Christen aller Konfessionen bis heute verbindet: Jesus Christus.

Der Hass der männlichen Widersacher sei grenzenlos gewesen, oft von Spott begleitet. Angesichts der Tatsache, dass sie nach 1524 nichts mehr veröffentlicht hat, fragte Pfarrer Schürmann: „Ist Argula von Grumbach also gescheitert?“ Man solle seinen Mut nicht vom Erfolg abhängig machen, meinte der Prediger, denn sonst hätte sich in der Welt nie etwas geändert. „Dass Argula von Grumbach einmal in die reformatorische Geschichte eingehen und in Lenting – wie auch in anderen Wohnorten – ein Denkmal bekommen würde, konnte sie sicher nicht ahnen.“

Nach der Enthüllung des Denkmals strömten alle in die am Ende bis auf den letzten Platz gefüllte Turnhalle, wo Bürgermeister Christian Tauer den Reigen der Grußworte eröffnete. Nach der Benennung einer Straße sei dieses Denkmal in Lenting das zweite sichtbare Zeichen für Argula: „Dies ist ein Denkmal, das von allen Seiten erkundet werden will.“ Dekan Thomas Schwarz (Ingolstadt) stellte die grundlegende Frage: „Darf ein Mensch mit dem, was er getan hat, der Nachwelt in Erinnerung bleiben?“ Von dieser Lentingerin könne man lernen, Mut zu haben und den Mund aufzumachen, sich einzusetzen für die, die unsere Unterstützung brauchen, auch wenn es unbequem ist. Inge Gehlert, Landesvorsitzende des evangelischen Frauenbundes, meinte dann: „Schade Argula, dass du nicht Mitglied in unserem Frauenbund bist! Mit Deinem Mut hätten wir dich gerne in unseren Reihen.“ Sie lobte das Denkmal mit seiner Strahlkraft. Aus diesem Grunde sollten auch wir wie Argula mutig und beredt streiten.

Einen besonderen Auftritt hatte Dorothea Burghardt von der Argula-von-Grumbach-Stiftung der Evangelischen Kirche in Bayern. Als Argula verkleidet meinte sie: „Ich hätte nicht gedacht, dass meine Flugschriften auch im Jahre 2017 noch so aktuell sind!“ Auch damals sei die Welt im Umbruch gewesen, der Unterschied zwischen Arm und Reich sehr groß. Argula von Grumbach habe keinen Aufruhr anstiften wollen, sondern nur diskutieren. Ihr Mann Friedrich habe sie nicht verstoßen, sondern als Frau respektiert.

Im Namen des Geschichtskreises erinnerte Anton Müller an die vielfältigen Bemühungen seiner Mitstreiter, sich mehr als bisher mit der örtlichen Familien- und Ortsgeschichte zu befassen. Der Name der adeligen Lentingerin habe bisher jedoch ein Schattendasein in der Wahrnehmung der meisten Ortsbürger geführt. Er erinnerte an den langen Weg bis zur Verwirklichung der Denkmalsidee, dankte allen, die zum Gelingen beigetragen haben, und schloss mit den Worten: „ Dieses Kunstwerk ist eine kulturelle Bereicherung für die Gemeinde Lenting, aber auch für die Schule, die nun ein markantes Erinnerungsmal in ihrem Eingangsbereich bekommen hat. Eine Informationsstation sozusagen, die sicherlich Impulse für eine anschauliche Gestaltung der Ortsgeschichte im Unterricht geben wird.“

Der Künstler Stefan Weyergraf gen. Streit nutzte die Gelegenheit, auf die Entstehungsgeschichte und die Gestaltung des Denkmals näher einzugehen. Als geborener Lentinger sei er dort zur Schule gegangen, wo jetzt das Kunstwerk steht. Später sei er an der Haltestelle am ehemaligen Wasserschloss in den Bus eingestiegen, um ins Gymnasiumnach Eichstätt zu fahren. Durch das Studium der Theologie habe er näheren Zugang zur geistigen Welt der Argula erhalten, und durch seine Ausbildung an der Akademie habe er die Voraussetzungen für die künstlerische Umsetzung geschaffen. Er wollte nicht einfach eine Statue der Argula schaffen. Ihm schwebte von Anfang an ein „erzählendes Denkmal“ vor: Argula als „Ökumenische Brückenfigur“, und die 27 Schau- und Bildtafeln sollen Auskunft geben über viele Stationen ihres Lebens. Auch der Künstler drückte seinen großen Dank an die Gemeinde, die Kirchengemeinden, den Geschichtskreis und die beteiligten Firmen aus.

Zum Abschluss sprach die Historikerin Dr. Susanne Greiter (Eitensheim) in ihrem Festvortrag über die „Fliegenden Worte“ der Argula von Grumbach. Die Historikerin ließ wichtige Stationen vom Leben der Argula in Wort und Bild Revue passieren. Sie schilderte die Bedeutung der Hochzeit mit Friedrich von Grumbach und ihr Leben in Dietfurt, Altmannstein und Lenting. Sie habe schon früh Kontakte mit den Reformatoren aufgenommen und ein Netzwerk aufgebaut. Die Flugschriften hätten „wie ein Katalysator“ gewirkt mit Luther als Zentrum. Dies sei „der Beginn der globalen Kommunikation“.

Das Jahr 1523 habe mit der Affäre Seehofer alles verändert, Argula sei zur Grenzgängerin geworden, zur „frühneuzeitlichen Feministin“. Sie steige in die Spitzengruppe der Flugschriftenschreiber auf, nur von Luther übertroffen. Mit der Herausforderung aller geistlichen und weltlichen Autoritäten habe sich die Affäre Seehofer zur „Affäre Stauff“ entwickelt. Das Jahr 1524 bringe das Ende der Karriere ihres Mannes Friedrich und ihr endgültiges Verstummen. Sie zieht nach Franken und führt ein Leben als Hausfrau. Im Jahre 1530 trifft sie Luther auf der Veste Coburg, 1554 stirbt sie wahrscheinlich in Zeilitzheim im Alter von 62 Jahren. Angesichts dieses Schicksals fragt die Historikerin:“ Was bleibt von Argula?“ – Ihr Netzwerk und ihre Botschaft, das heißt der Glaube und das Streben nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit.

 

Argula von Grumbach Denkmal
in Lenting

 

— UPDATE —

Unter Mitarbeit des Künstlers Stefan Weyergraf gen. Streit wurden nun die Bild- und Textblätter auf den Hintergund montiert. Nun ist das Denkmal selbst bereit für die Einweihung am 29. Oktober 2017, 15.30 Uhr.

 

— UPDATE —

In Eigenleistung hat der Geschichtskreis Lenting das Pflaster um die Denkmalgrundform gelegt. Es also auch im Umfeld des Denkmals auf die Enthüllung zu, die am 29. Oktober sein wird.

 

— UPDATE —

Das Denkmal steht – im Rohbau. Heute wurden die Grundplatten auf dem Fundament fixiert. Im Herbst – kurz vor der Einweihung am 29. Oktober – werden die Figuren und die Schrifttafeln aufgeklebt.

 

Argula von Grumbach Denkmal
in Lenting

— UPDATE —

Der Bau des Fundamentes für das Denkmal der mutigen Argula von Grumbach in Lenting gegenüber des Rathauses hat begonnen. Dennoch brauchen der Geschichtskreis Lenting und die Evangelische Kirchengemeinde Ihre Unterstützung:

 

Argula von Grumbach Denkmal
in Lenting

—   UPDATE   —

Der Bau des Fundamentes für das Denkmal der mutigen Argula von Grumbach in Lenting gegenüber des Rathauses hat begonnen. Dennoch brauchen der Geschichtskreis Lenting und die Evangelische Kirchengemeinde Ihre Unterstützung:

Bis heute konnten der Geschichtskreis Lenting und die evangelische Kirchengemeinde ihre Finanzierungszusage von je 5.000 € leider noch nicht einhalten. Damit das Denkmal für die für die Reformationsgeschichte bedeutende Frau, Argula von Grumbach, wie geplant am 29. Oktober eingeweiht werden kann, bitte wir weiterhin um Spenden auf unserem Konto:

Evangelisches Pfarramt St. Paulus
Sparkasse Ingolstadt – IBAN DE64721500000000592824
Verwendungszweck: „Denkmal“

Zwei vollständige Tafeln sowie ein Modell des Denkmals können sie hier sehen.

 

Geplantes Denkmal
für Argula von Grumbach in Lenting

Die Reformation, die mit der Veröffentlichung der 95 Thesen durch Martin Luther 1517 begann, führte in der Folge nicht nur zur Entstehung der evangelischen Kirche, sondern auch zu tiefgreifenden Reformen in der katholischen Kirche, die bis heute nachwirken. Die dadurch in Europa ausgelösten geistig-gesellschaftlichen Veränderungen prägen bis heute die Neuzeit. Ohne die Reformation wären heute selbstverständliche Errungenschaften wie die moderne Demokratie, die auf den Leitgedanken der französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – beruht, die Gleichberechtigung der Geschlechter oder die Menschenrechte nicht denkbar.

argula_von_grumbach

In Lenting lebte zu dieser Zeit die Adelsfrau Argula von Grumbach, die durch ihre Schriften aktiv auf den Dialog der Reformation Einfluss nahm und als mutige Frau weit über die Region hinaus bekannt wurde. Argula wurde als Tochter des Reichsfreiherrn Bernhardin von Stauff und seiner Frau Katharina von Toerring zu Seefeld auf der Burg Ehrenfels im heutigen Beratzhausen geboren. Ihr Vater erhielt vom bayrischen Herzog Albrecht IV. das Amt eines Hauptmannes von Landshut. Argula kam als Hoffräulein an den Münchener Hof zur Herzogin Kunigunde, einer gebildeten Frau, der sie ihre Bildung verdankte. Als ihre beiden Eltern 1509 innerhalb von fünf Tagen an der Pest starben, nahm sich die Herzogin ihrer besonders an. 1510 heiratete sie den fränkischen Reichsritter Friedrich von Grumbach zu Lenting und Burggrumbach. Im Wasserschloss in Lenting – heute noch ein Gehöft mit Resten des Grabens erhalten – wohnt die Familie bis 1515 und wieder ab 1523. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Georg, Hans Georg, Gottfried und Appolonia, von denen nur Gottfried seine Mutter überlebte.

Die Auseinandersetzungen der Reformation gingen an ihr nicht unbeobachtet vorüber. Sie las die Schriften Martin Luthers und trat mit Paul Speratus in Verbindung. 1523 konnte sie von sich sagen, „von Dr. Martinus alles gelesen zu haben, was in deutscher Zunge ausgegangen“ sei. Sie schrieb auch selbst an Luther und stand mit Georg Spalatin und Andreas Osiander in Briefwechsel.

Als in Ingolstadt der 18-jährige Wittenberger Magister Arsacius Seehofer zum Widerruf gezwungen wurde,  trat sie mit einigen Sendschreiben an den Herzog und an die Universität heran, die großes Aufsehen erregten. Besonders bemerkenswert sind ihre beiden Schriften „Ain christentlich schrifft ainer Erbarn Frauen vom Adel, darin sy alle christentliche obrigkeit ermant, bey der Warheit und dem Wort Gottes zu bleyben und solches auf christenliche pflicht ernstlicher zu handthaben“ (1523) und „Wie eyn Christliche fraw des adels in Beiern durch jren in Gotlicher schrift wolgegründten Sendtbrieffe die hohenschul zuo Jngoldstat vmb das sie einen Euangelischen Juengling zuo wydersprechung des wort Gottes betrangt haben straffet.“ (1523). „Wie eyn Christliche fraw“ wurde rasch und zahlreich vervielfältigt, sodass in weniger als zwei Monaten nach der Abfassung bereits 14 Ausgaben erschienen waren.

Ihr Eintreten für die Reformation brachte ihr viel Leid ein. Ihrem Gatten wurde das Amt genommen, die Familie geriet in Not, die Verwandtschaft trat scharf gegen sie auf. Diese Rückschläge konnten Argula nicht bezwingen. Luther nannte sie in einem Brief „ein einzigartiges Werkzeug Christi“ und betonte, dass sie ihren großen Kampf mit Geist und christlichen Erkenntnis führe. Keiner ihrer Briefe an die Universität wurde jemals beantwortet und auch das persönliche Gespräch mit den Hohen Herren in Ingolstadt, das im Denkmal nach einer Zeichnung, die einen der Briefe Argulas zierte, dargestellt ist, fand so nie statt.

Argula setzte ihre Hoffnung auf den 2. Nürnberger Reichstag. Sie erschien dort und wurde vom Pfalzgrafen zu einem Gespräch gebeten. Ihre Hoffnungen verwirklichten sich jedoch nicht. Luther, der ihr selbst nicht schreiben konnte, bat Spalatin sie zu grüßen und zu trösten. 1530 besuchte sie Luther auf der Veste Coburg.

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Nachdem ihr Gatte gestorben war (ein Epitaph in der Lentinger Pfarrkirche St. Nikolaus zeugt davon), heiratete sie 1533 zum zweiten Mal, einen Grafen Schlick zu Passau, wurde aber bald wieder Witwe. Ihre Grabstätte befindet sich bei der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche St. Sigismund in Zeilitzheim.

Der Geschichtskreis Lenting wird anlässlich des 500jährigen Jubiläums der Reformation ein Denkmal für die berühmte Bewohnerin von Lenting im Ort errichten. Bürgermeister und Gemeinderat stimmten diesem Vorschlag bereits zu und haben als Standort den Vorplatz der Grund- und Mittelschule Lenting beschlossen. Die Kommune Lenting wird sich finanziell ebenso an diesem Vorhaben beteiligen wie die evangelische Kirchengemeinde St. Paulus und der Geschichtskreis Lenting.

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Entsprechend der Idee eines „erzählenden Denkmals“ hat Stefan Weyergraf gen. Streit, der in Lenting geborene Künstler und Theologe, einen Entwurf erstellt, der inzwischen von allen Gremien verabschiedet wurde (siehe Bild). Die Figuren im oberen Teil der Flachplastik aus Metall zeigen Argula mit der Bibel im fiktiven Disput mit den Ingolstädter Professoren. Darunter gruppieren sich beidseitig zahlreiche Flugblätter, durch deren Verbreitung Argula weithin bekannt wurde. In diesem Bilderzyklus werden die Stationen ihres Lebens und Wirkens durch Bild und Text veranschaulicht.

Im Jahr des Reformationsjubiläums wird mit diesem Denkmal sowohl eine Erinnerung an eine der berühmtesten Einwohnerinnen Lentings geschaffen als auch ein Platz der Begegnung im Ort, der über Lenting hinaus Beachtung finden wird. Für die Verwirklichung ist die Evangelische Kirchengemeinde auf Ihre Hilfe angewiesen. Wenn Sie das Vorhaben unterstützen und Lenting zu einer überregional interessanten Sehenswürdigkeit verhelfen wollen, bitten wir Sie herzlich um Ihre Spende auf das Konto:

Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Paulus
IBAN: DE64 7215 0000 0000 5928 24 – BIC BYLADEM1ING
Verwendungszweck: „Denkmal“.

Sie erhalten selbstverständlich eine steuerlich nutzbare Zuwendungsbescheinigung. Die Spender werden als Zeichen des Dankes in einer Tafel nahe dem Denkmal namentlich erwähnt.

Weitere Informationen finden sie auf der Homepage des Geschichtskreises Lenting: gkr-lenting.de

(Unter der Verwendung des Wikipedia-Artikels zu Argula von Grumbach erstellt)