Erlebnisse mit dem
Gemeindezentrum Lenting

und die Entwidmung am 3. September 2017

Ursprünglich wollte man bei der Einweihung durch Oberkirchenrat Hans Schmidt spätestens nach 20 Jahren ein dauerhaft solides Gebäude finanzieren und bauen können. Doch es kam anders, denn 50 Jahre, vom 26.12.1966 bis 26.12.2016, hat die Geschichte der „namenlosen“ Kirche gewährt. Das „Provisorium in Fertigbauweise“, nach einem Entwurf des Stuttgarter Architekten Heinz Rall, blieb standhaft und nutzbar, wenngleich die Empfindung, sich in einer Kirche aufzuhalten, für viele nicht leicht war. „Nichts ist langlebiger als ein Provisorium“, sagte Pfr. Dr. Markus Ambrosy schon 2002.

Man kann auf einem Blatt Papier und mit eingeschränktem Wissen nicht die gesamte Geschichte der Lentinger Kirche aufzählen. Aber es soll an ein paar wichtige Episoden und Personen erinnert werden. Übersehene „Säulen“ aus der Zeit ab 1966 mögen ihr unabsichtliches Nichterwähntwerden bitte verzeihen.

Prägend waren immer einzelne Personen, zum Beispiel Luise Löffler in der Anfangszeit. Pfr. Schamel berichtet hingegen für die 70er Jahre von einem eher gering ausgeprägten Gemeindeleben. Kaffee und Tee nach dem Gottesdienst wurde mangels Resonanz wieder eingestellt. Bemerkenswert sind die Konfirmationen in Lenting 1969/1971/1972/1976/1977. Immerhin konnte Lenting 1976 mit Dr. Roland Dietz (bis 2000) und Helga Landwehrkamp (bis 1988) zwei Personen in den Kirchenvorstand entsenden.

Aufwärts ging es, als St. Paulus eine Pfarrstelle zur Anstellung zugesprochen wurde. Pfarrerin Gudrun Sattler und Pfarrerin Ghita Lenz-Lemberg machten sich an Aufbauarbeit, auch in Lenting. Es kam zur erfreulichen Gründung zweier Mutter-Kind-Gruppen und der Jungschar. Später kamen noch der Kreis junger Familien und das Kindergottesdienstteam dazu. Ein Glücksfall war ohne Zweifel der Zuzug des Religionspädagogen i.V. Thomas Glück 1994, der sich speziell der Jugendarbeit, vor allem der Konfirmierten, annahm. Mit dem Wegzug von Herrn Glück schlief einiges wieder ein. Doch Pfarrerin Christa Pürner-Stegschuster entwickelte bis 1999 ein reiches kirchliches Angebot. Ganz wichtig ist die emsige und kluge Arbeit von Christa Bukovics seit den 90er Jahren. In dieser Zeit fanden auch regelmäßig Kinderbibeltage, Kinderfasching und Jungscharübernachtung in der Kirche statt. Auch Petra Viehböck, Erika Prauschke, Monika Prosch und Angelika Schmolke brachten sich fleißig ein.

Allerdings hinterließen Wind und Wetter und die kostensparende Bauweise des Gebäudes Spuren, sodass am Kirchengebäude manches defekt wurde (Dach/Fensterstöcke/Blechvordach/Toiletten). Neue Impulse setzte Pfr. Dr. Markus Ambrosy (Paramente/Kreuz an der Kirche /Logo/Altartriptychon/ Gewinnung von Referenten). Dennoch kam es mit Beginn der Ladenkirche in Kösching zu einer entscheidenden Verlagerung von Geld und
Mitarbeitenden nach Kösching. Nicht vergessen wollen wir das Aufsetzen eines Daches in Lenting unter Pfarrer Bernd Feldner mit Hilfe Ehrenamtlicher aus der ganzen Gemeinde.

Eine Gemeinde lebt durch fleißige Hände und von der Kirchenmusik. Da sind zu nennen die Organistinnen und Organisten: Frau Naumann und Elke  Landwehrkamp (später Meiser, Dienstantritt ab 01.04.1982). Nachfolgend bis heute spielt Holger Stiller die Orgel. Als Mesner und Mesnerinnen sind dankbar zu nennen: Barbara und Herbert Paschwitz, Gotthold Friedrich Schöne und Centa Kreil (bis 31.12.1980), Karl-Heinz Helbig (bis 1985), Maria Helbig (bis 1997), Sylvia Helbig (1998), Ingeborg Knochenhauer, Tatjana Ebert, Xaver und Annette Pfeilschifter, Natalia Seemann und Maria Seemann.

Im Kirchenvorstand waren neben den Erwähnten auch die Lentinger Gernot Moos (1994-2006), der mit  Fachwissen und guten Kontakten Entscheidendes baulich für die Lentinger Kirche bewirkt hat, und Annette  Pfeilschifter (2006-2012) aktiv, gegenwärtig vertreten Christa Bukovics (seit 2000) und Erika Prauschke (seit 2006)  dort die Lentinger.

Für die Lentinger kam das Ende des Gemeindezentrums in zwei Schritten, einmal 1984 durch den Verkauf eines Teils des Grundstücks durch den Eigentümer, die Gesamtkirchengemeinde Ingolstadt, zur Finanzierung der neuen Kirche in Wettstetten, und dann das endgültige Aus 2016, um mit dem – übrigens noch nicht getätigten – Verkauf des Restgrundstücks einen Anteil an den Baukosten für das neue Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum mit Kirche in Kösching zu realisieren. Die Alternative, in Lenting statt in Kösching ein neues Gotteshaus zu errichten, wurde auch deshalb verworfen, da Lenting kaum mehr Land für Wachstum aufweist, tendenziell sich wenige Menschen sonntags im Gottesdienst einfinden und das Gemeindeleben überschaubar ist. Drei Kirchen gleichzeitig kann sich St. Paulus keinesfalls länger finanziell leisten.

Am Sonntag, 3. September, haben Pfarrer Dr. Jürgen Habermann und Prädikantin Christa Bukovics, die gleichzeitig Vertrauensperson des Kirchenvorstands ist, die Kirche in Lenting „entwidmet“, d.h. außer Dienst gestellt. Der letzte Gottesdienst fand bekanntlich an Weihnachten 2016 dort statt. Nun sind in einem feierlichen Akt die liturgischen Gegenstände wie Kreuz, Taufschale, Abendmahlsgeräte, Klingelbeutel, Kollektenbüchsen, Gesangbücher und Paramente aus der Kirche getragen und nach Ingolstadt transportiert worden.

Übrigens werden die Lentinger Orgel und die Glocke im neuen Gemeindezentrum in Kösching ihre Zukunft haben und zum Einsatz kommen.